2006-10-14
USA klagen Al-Kaida-Übersetzer Adam Gadahn des Hochverrats an. 1 Mio. Dollar Kopfgeld ausgesetzt
Der Al-Kaida-Übersetzer Adam Gadahn (28), ist in den USA wegen Hochverrats angeklagt worden. Ihm droht die Todesstrafe. Das FBI nahm Gadahn in die Liste der meistgesuchten Terroristen auf und setzte für seine Ergreifung eine Belohnung von einer Million US-Dollar aus.
    Gadahn, der in der Islamistenszene als „Asam, der Amerikaner“ bekannt ist, arbeitete lange im Hintergrund als Übersetzer für führende Al-Kaida-Mitglieder. In der Öffentlichkeit wurde er bekannt, als die Terrororganisation dazu überging, ihre Videobotschaften selbst zu untertiteln und zu synchronisieren. So war Gadahn die englische Stimme in fünf Videobotschaften von Osama bin Laden.
    Gadahn wurde als Adam Pearlman in Kalifornien in eine christlich-jüdische Familie geboren und wuchs auf einer Farm südlich von Los Angeles auf. Mit 17 Jahren trat er zum Islam über. 1998 reiste er zum Studium nach Pakistan, wo er sich auch heute aufhalten soll.
    Die jetzt erhobene Anklage wegen Hochverrats ist die erste seit dem Zweiten Weltkrieg. Damals traf es ebenfalls einen Sprachmittler, den japanischstämmigen Tomoya Kawakita (Foto), der während des Krieges bei der Minengesellschaft Oeyama Nickel in Japan gearbeitet hatte. Kawakita fungierte als Dolmetscher für amerikanische Kriegsgefangene, die in der Mine arbeiten mussten, und soll an Folterungen beteiligt gewesen sein. Nicht wegen der Foltervorwürfe, sondern wegen Hochverrats wurde er in den USA zum Tode verurteilt, nach einem Jahr zu einer lebenslangen Haftstrafe begnadigt und nach weiteren 10 Jahren in Alcatraz nach Japan abgeschoben.

Es gibt immer noch naive Gemüter, die glauben, man dürfe im „freien Westen“ unter Berufung auf die bloße Mittlertätigkeit übersetzen, was man wolle, und dolmetschen für wen man wolle – solange man sich sonst nichts zuschulden kommen lasse. Diese Vorstellung ist falsch und gefährlich.
    Auch der Literaturübersetzerverband VdÜ unterliegt diesem Trugschluss. Er kritisierte noch vor wenigen Wochen die Türkei, in der zurzeit mehrere Übersetzer vor Gericht stehen, weil sie Sachbücher übersetzt haben, die der Staatsdoktrin widersprechen. Es sei „geradezu absurd, Übersetzer für die Ansichten der Autoren von ihnen übersetzter Werke verantwortlich zu machen“, so der Verband in einer Pressemitteilung vom 25.09.2006. Genau das ist aber die Realität. Nicht nur in der Türkei, sondern auch in den USA und selbstverständlich auch in Deutschland.
Im Ernstfall sitzen die „Mittler zwischen den Kulturen“ schlicht und einfach zwischen zwei Stühlen – und zwar ohne Lobby.

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[Text: Richard Schneider. Quelle: APA, 2006-10-12; dpa, 2006-10-12. Bild: FBI.] www.uebersetzerportal.de
Adam Gadahn