| 2007-11-05 Geordneter Rückzug: Amerikaner und Briten kümmern sich um irakische Dolmetscher, Dänemark nicht Der Abzug der Besatzungstruppen aus dem Irak im Lauf der nächsten Jahre ist de facto beschlossene Sache. Was geschieht dann mit den vielen Tausend irakischen Dolmetschern? Die New York Times berichtet von einem irakischen Militärdolmetscher, der vier Jahre für die Amerikaner gearbeitet hat. In dieser Zeit seien acht seiner Kollegen gewaltsam zu Tode gekommen. Als Anfang 2006 ein weiterer Dolmetscher entführt und ermordet wurde, kündigte der Mann schließlich von sich aus. „Für die Amerikaner zu arbeiten, ist in Teilen des Landes mehr oder weniger zu einem Todesurteil geworden“, so eine US-Diplomatin, die in der Botschaftsvertretung in Basra arbeitet. Jeden Tag bekomme sie verzweifelte E-Mails, in denen sie um amerikanische Visa angefleht werde. Viele ehemalige Übersetzer versuchen zurzeit, sich in Nachbarländer des Irak, vor allem Syrien und Jordanien, abzusetzen. Vereinigte Staaten Die amerikanische Regierung hat das Problem erkannt und dieses Jahr ein Sonderprogramm aufgelegt, das irakischen Angestellten der USA Sicherheit in den USA garantieren soll. In den Genuß dieser Hilfestellung kommen allerdings nur Wenige, nämlich die rund 125 Vollzeitbeschäftigten der amerikanischen Botschaft in Bagdad und etwa 500 Dolmetscher. Insgesamt arbeiten gut 69.000 Iraker für die Vereinigten Staaten, in der Regel sind sei bei kommerziellen Dienstleistern des Verteidigungsministeriums angestellt – als Dolmetscher, Fahrer, Wachmann, Bauarbeiter oder Reinigungskraft. Die zu erwartende Flüchtlingswelle aus dem Irak rollt erst langsam an. Von Oktober 2006 bis Juli 2007 gelangten erst 190 Iraker in die Vereinigten Staaten. Das US-Außenministerium geht allerdings davon aus, dass sich die Entwicklung rasant beschleunigen wird und rechnet in den kommenden Monaten mit 2.000 Flüchtlingen. Großbritannien Das britische Militärkommando in Basra rief jetzt alle Iraker, die zwischen Januar 2005 und August 2007 mindestens zwölf Monate lang für die Armee in Basra gearbeitet haben, auf, sich zu melden. Das britische Außenministerium hatte im Oktober erklärt, irakische Dolmetscher könnten finanzielle Hilfen oder eine Aufenthaltserlaubnis für sich und ihre direkten Angehörigen in Großbritannien erhalten. Dänemark Im Januar 2007 forderte eine Gruppe dänischer Offiziere, beim Abzug der dänischen Truppen die vor Ort rekrutierten einheimischen Helfer mitzunehmen – sonst sei deren Leben nicht viel wert. Der dänische Verteidigungsminister Søren Gade lehnte das jedoch ab.
![]() Seit einigen Jahren sind unsere Kollegen nur noch vermummt im Einsatz. Rechts im Bild ein für die Amerikaner dolmetschender Iraker Mehr zum Thema im Übersetzerportal
[Text: Richard Schneider. Quelle: Basler Zeitung, 2007-11-05; Frankfurter Rundschau, 2007-01-20; Spiegel, 2007-08-29. Bild: Pressestelle US Marine Corps.] www.uebersetzerportal.de |
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