2002-02-21
21. Februar, Tag der Muttersprache: Tote und Verletzte vor 50 Jahren in Ost-Bengalen
Mehrere Tote forderte am 21. Februar 1952 eine Demonstration in Dhaka, der Hauptstadt des damaligen Ost-Pakistan, weil die pakistanische Polizei in die Menge schoss. 
    Ursache der Proteste war der Beschluss des pakistanischen Regimes, Urdu zur alleinigen Amtssprache des Landes zu erklären. (Erst fünf Jahre zuvor, 1947, hatte sich Pakistan von Indien abgespalten.)
    Das Problem: Nur 3 Prozent der pakistanischen Bevölkerung sprachen Urdu. Demgegenüber sprachen aber mehr als 56 Prozent der damaligen Gesamtbevölkerung (West- und Ost-Pakistan) Bengali (Bangla) als Muttersprache. In Ost-Bengalen, dem damaligen Ost-Pakistan, lag dieser Anteil sogar bei 98 Prozent. 
    Urdu war die Sprache der herrschenden Schichten in Pakistan und die Sprache der Muslim-Liga, auf deren Betreiben der Staat Pakistan gegründet wurde. 
    Die Entscheidung für Urdu wurde von den staatlichen Stellen wie folgt begründet: Urdu stehe dem Arabischen und Persischen nahe und sei damit „islamischer“ als andere in Frage kommende Sprachen. Bengali hingegen habe seine Wurzeln letztendlich im Sanskrit und sei damit eine „Hindu-Sprache“.
    Im damaligen West-Pakistan traf diese Entscheidung auf keinen nennenswerten Widerstand, da die dort gesprochenen Sprachen mit Urdu verwandt sind. 
    Für die Menschen im mehr als 1.500 km entfernten Ost-Pakistan war Urdu jedoch eine völlig fremde Sprache, die nichts mit der eigenen Kultur zu tun hatte. Die führenden bengalischen Intellektuellen und Politiker schlugen deshalb vor, neben Urdu auch Bengali zur offiziellen Landessprache zu erklären. 
    Dieser Kompromissvorschlag wurde brüsk zurückgewiesen. 1948 erklärte der pakistanische Generalgouverneur Ost-Pakistans, Jinnah (auf Englisch!): „Let me make it clear to you that the State Language of Pakistan is going to be Urdu and no other language. Anyone who tries to mislead you is really the enemy of Pakistan. [...] so far as the State Language is concerned Pakistan's language shall be Urdu.“ 
    Die pakistanischen Behörden versuchten in den Folgejahren sogar, die bengalische Schrift zu verdrängen, indem sie zunächst durch arabische und dann durch lateinische Zeichen ersetzt wurde. Dies scheiterte jedoch am breiten Widerstand der Bevölkerung, die sich ihre Muttersprache und ihr Alphabet nicht nehmen lassen wollte.
    Die brachialen Maßnahmen zur Unterdrückung der bengalischen Sprache und Kultur waren letztendlich vergebens. 1971 konnte Ost-Bengalen nach neunmonatigem Bürgerkrieg seine Unabhängigkeit von Pakistan erklären. Der Name des neuen Staates: Bangladesch. Die Landessprache: Bengali.
    In Bangladesch ist der 21. Februar offizieller Feiertag und wird als „Tag der Märtyrer“ begangen. Im November 1999 beschloss die UNESCO auf Antrag Bangladeschs, den 21. Februar zum „Internationalen Tag der Muttersprache“ zu erklären. Im Jahr 2000 wurde er zum ersten Mail gefeiert. 

[Text: Richard Schneider. Quelle: bangla2000.com, BanglaNews.com.] www.uebersetzerportal.de

„Shahid Minar“, das „Märtyrer-Denkmal“, erinnert an die Menschen, die am 21. Februar 1952 im Kampf für ihre Muttersprache ihr Leben ließen. Die als „Bhasha Andolon“ (Sprachbewegung) bekannten Proteste gaben dem Streben nach Unabhängigkeit Ost-Bengalens gewaltigen Auftrieb. Am 21. Februar wird der Platz stets feierlich mit Blumen geschmückt.