2002-07-14
330 Bücher werden pro Jahr ins Arabische übersetzt – nur ein Fünftel der Bücher, die ins Griechische übersetzt werden
Erstmals haben arabische Fachleute im Rahmen einer UNO-Studie die politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Lage der 280 Millionen Menschen in den 22 Mitgliedsländern der Arabischen Liga untersucht.
    Im Abschlussbericht heißt es unter anderem: „Noch schlechter sieht es bei der Übersetzung ausländischer Bücher aus. Derzeit werden in der arabischen Welt lediglich 330 Bücher jährlich übersetzt; etwa ein Fünftel der Anzahl von Büchern, die ins Griechische übertragen werden. Allein Spanien übersetzt pro Jahr ebenso viele Bücher wie in den vergangenen 1.000 Jahren ins Arabische übersetzt wurden. Dabei hätten die arabischen Länder den enormen praktischen Vorteil, eine gemeinsame Sprache zu besitzen.“ 
    Aber nicht nur auf kulturellem Gebiet kommen die Forscher zu erschreckenden Ergebnissen.
    Das Pro-Kopf-Einkommen der Araber ist das zweitniedrigste der Welt. Nur die afrikanischen Länder südlich der Sahara schneiden noch schlechter ab. Der sagenhafte Ölreichtum der arabischen Welt ist demnach nur ein Mythos. Das Bruttoinlandprodukt aller arabischen Staaten, also einschließlich der erdölexportierenden Länder, machte 1999 insgesamt lediglich 531,2 Milliarden US-Dollar aus – das war weniger als das Ergebnis Spaniens.
    Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass die arabischen Gesellschaften in erster Linie durch eigene Defizite in ihrer Entwicklung behindert werden: Mangel an politischer Freiheit, Unterdrückung der Frauen und eine Isolation vom freien Austausch der Ideen, die jede Kreativität erstickt. 
    Die Studie wurde hauptsächlich von arabischen Intellektuellen und Fachleuten erarbeitet, so dass man ihre Sichtweise und die Ergebnisse nicht als von westlicher Arroganz geprägt abtun kann. 
    Sie trägt den Titel „Arab Human Development Report 2002“ und wurde mit Unterstützung des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UN Development Program, UNDP) erstellt. Die Ergebnisse wurden dieser Tage auf einer Konferenz der Arabischen Liga in Kairo vorgestellt.


[Text: Richard Schneider. Quelle: Basler Zeitung, 2002-07-08; Der Standard, 2002-07-09. Bild: Internet-Fundsachen.]