2003-01-25
Stalin: „Es war nur ein Dolmetscher dabei. Und den habe ich erschossen.“ Zoya Zarubina über die Konferenz von Jalta
Zoya Zarubina (83) war 1945 Dolmetscherin der sowjetischen Delegation in Jalta. Auf der Vorläufer-Konferenz Ende 1943 in Teheran war sie ebenfalls schon dabei. Später begleitete sie die Nürnberger Prozesse mit ihren Sprachkenntnisssen.
    Auf Phoenix erzählt Zarubina in fließendem Englisch von der Konferenz von Jalta. Als KGB- und Verbindungsoffizierin hatte sie nicht nur Einsichten in die politischen Hintergründe, sondern wurde auch Zeugin der zwischenmenschlichen Beziehungen. So gibt sie unter anderem folgende Anekdote zum Besten:
Churchill rief einmal Stalin an und sagte, er wolle ihn sehen. Natürlich sagte Stalin „komm vorbei“, und Churchill tat das. Es war wie immer bei den beiden: Stalin war ein guter Gastgeber, und so hatte Churchill einiges getrunken, als er wieder nach Hause kam. 
    Am nächsten Morgen fragte Churchill seinen Dolmetscher: „Was habe ich Stalin eigentlich erzählt? Ich fürchte, mir ist etwas ganz Schlimmes herausgerutscht, denn ich war betrunken und ziemlich wütend. Der Dolmetscher erwiderte: „Es tut mir Leid, Sir, ich war nicht dabei.“ – „Was soll das heißen, Sie waren nicht dabei?“ – „Na, Sie haben mich nicht mitgenommen, denn ich hatte zu tun. Nur der sowjetische Dolmetscher war dabei.“
    Daraufhin klagte Churchill dem britischen Außenminister Anthony Eden sein Leid: „Ich fühle mich schrecklich. Ich glaube, ich habe etwas gesagt, was Stalin ... nun ja ... was ihn verärgert haben könnte.“ Eden versprach: „Machen Sie sich keine Sorgen. Auf der Plenarsitzung werde ich Stalin fragen, wie er es empfunden haben mag.“
    Also ging Eden auf der Sitzung auf Stalin zu und fragte, ob es einen Grund zur Beunruhigung gebe. Stalin antwortete: „Machen Sie sich keine Sorgen. Es war nur ein Dolmetscher dabei. Und den habe ich erschossen.“
    Zoya Zarubina leitete später 10 Jahre lang die erste Sprachenschule für UN-Übersetzer, dolmetschte für die Präsidenten Reagan und Bush sen. und wurde dann Professorin an der Diplomaten-Akademie in Moskau. 1988 gründete sie eine internationale Friedensgruppe. Außerdem engagiert sie sich für die Verbesserung der Verhältnisse in den baltischen Staaten. Sie lebt heute in Moskau und in den USA.
    Die Sendung mit Zoya Zarubina ist Teil der Phoenix-Sendereihe „Meine Geschichte“, in der Zeitzeugen zu Wort kommen. Die Sendetermine: Sonntag, 26. Januar 2003, 11.45-12.00 Uhr, Wiederholung Montag, 27.01.2003, 0.00-0.15 Uhr und Samstag, 01.02.03, 11.15-11.30 Uhr. Phoenix: Meine Geschichte – Die Jalta-Konferenz. Zoya Zarubina, KGB-Offizierin.
    Am 12.01.2003 kam in derselben Sendereihe bereits Hugh Lunghi zu Wort, der Dolmetscher Churchills. 
[Text: Richard Schneider. Quelle: Pressemitteilung Phoenix 2003-01-12, Phoenix-Sendung. Bild: Phoenix. Videokonvertierung: Jürgen Herber.]

Zoya Zarubina