2003-11-20
Berlin: Dolmetscherin wegen Beihilfe zur Erpressung angeklagt, weil sie für Verbrecher gearbeitet hat
In Berlin hat vor wenigen Tagen der Prozess gegen die Betreiber von zwei Callgirlringen begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern aus der Ukraine und Polen schweren Menschenhandel, Zuhälterei, gewerbs- und bandenmäßiges Einschleusen von Ausländern und weitere Delikte vor. Sie sollen mindestens 15 Frauen aus ihren Heimatländern illegal nach Deutschland gebracht und zur Prostitution gezwungen haben.
    Für unsere Berufsgruppe interessant ist, dass auch die Polin Justyna W. (26) vor Gericht steht, der lediglich vorgeworfen wird, Dolmetscherdienste für den Callgirlring geleistet zu haben. Dadurch soll sie sich der Beihilfe zur Erpressung schuldig gemacht haben. Justyna W. ist die Lebensgefährtin des Hauptangeklagten.
    Der Prozess wird aufmerksam von der Presse beobachtet, weil im Zuge der Ermittlungen ein prominenter Kunde des Rings, Michel Friedman (47), ins Visier der Fahnder geriet. Der scharfzüngige Lobbyist und Fernsehmoderator wurde vor einigen Monaten wegen Kokainbesitzes zu einer Geldstrafe verurteilt.
[Text: Richard Schneider. Quelle: B.Z., 2003-11-17, FAZ, 2003-11-18. Bild: Archiv.] www.uebersetzerportal.de