| 2004-02-03
Putzfrauen, Krankenschwestern und Stewardessen als Dolmetscher: Die Mediziner rund um den Münchner Flughafen rufen nur im äußersten Notfall einen Profi Der 1996 in Freising neu gebaute Münchner Flughafen hat im Sommer 2003 seinen zweiten Terminal in Betrieb genommen und ist nun bestrebt, in die Liga der bedeutenden Luftverkehrsdrehscheiben aufzusteigen. Mit 24 Mio. Passagieren werden in München pro Jahr aber immer noch lediglich halb so viele Fluggäste wie in Frankfurt (48 Mio.) abgefertigt. Im und am Flughafen entwickelt sich unter anderem auch eine medizinische Infrastruktur, die sich auf eine internationale Klientel einstellen muss. Ist das Provinznest Freising sprachlich dafür gerüstet? „Wir haben unter unseren Mitarbeitern sehr viele Nationalitäten“, sagt Petra Kinner, die Leiterin des Patientenservice am Klinikum Freising. Vor kurzem hat das Krankenhaus eine Liste erstellt, in der die Sprachkenntnisse aller Mitarbeiter verzeichnet sind. Und so wird im Bedarfsfall immer zunächst jemand aus den eigenen Reihen zu Hilfe gerufen. Nur wenn das nicht hilft, werden professionelle Dolmetscher gerufen, deren Adressen die Klinik vom Ausländeramt bezieht. „Diesen Fall hatten wir aber noch nie“, so Ingrid Aicher, die Leiterin der Personalabteilung. Nur ein einziger Patient habe einmal einen ihm bekannten Dolmetscher herbestellt. Werde ein Profi-Sprachmittler gerufen, könne das für die Patienten mit rund 130 Euro pro Stunde teuer werden. Ganz ähnlich sieht die Situation bei den niedergelassenen Ärzten in Freising aus. Dr. Reinhard Bungartz, Vorsitzender des ärztlichen Kreisverbandes, sagt, dass die Patienten in der Regel selbst jemanden mitbringen, der übersetzt. Falls das nicht der Fall ist, könne meist eine Sprechstundenhilfe oder er selbst mit Fremdsprachenkenntnissen aushelfen. Führt auch das nicht weiter, muss sich der Patient selbst einen Dolmetscher organisieren. Handelt es sich um einem medizinischen Notfall, verständigt man sich mit Händen und Füßen oder Stift und Papier, was die Untersuchung meist in die Länge zieht. „Das ist aber in keinster Weise ein Problem“, so Bungartz. Und wie geht man im Flughafen selbst mit dem Sprachenproblem um? Die MediCare Flughafen München Medizinisches Zentrum GmbH ist für die Betreuung von Fluggästen, Besuchern und Mitarbeitern zuständig. Darüber hinaus betreibt sie die AirportClinic München, die über immerhin zwei Operationssäle und 13 Betten verfügt. Die Klinik wirbt sogar im Ausland Patiententouristen an. So heißt es in einer Information: Munich International Airport has become a center for "medical tourism." Patients from other countries fly into Munich, have tests or treatments at the airport, and then fly home--often in a single day. Individually designed packages can include diagnosis, inpatient or outpatient surgery, hotel accommodation, transfer to a partner clinic for long-term treatments, and sightseeing programs for patients and their families. The clinic will even collect patients at the aircraft and take them through immigration.Doch trotz gut zahlender ausländischer Patienten gibt man in Sachen Dolmetschen keinen Cent zu viel aus. Hier sind ebenfalls alle sprachkundigen Mitarbeiter in einer Liste erfasst. „Reicht das nicht, helfen uns auch Mitarbeiter der Airlines“, sagt Klinikchef Dr. Hans Hammel. „Da helfen alle zusammen.“ Und wenn beim besten Willen einmal kein geeigneter Laiendolmetscher aufzutreiben ist? Ja, das sei schon vorgekommen. Hammel: „Da kann man sich aber durchwurschteln." Oft könne man auch schon an der Haltung oder am Gang des Patienten das Problem einschätzen. Und: „Es geht um primitivste Dinge wie ,Aua'.“ Und das verstehe schließlich jeder.
|
|