2004-09-27
Militärdolmetscher im Irak – ein Bilderbogen (1/3)
Das Militär gehört – neben dem Handel und der Diplomatie – zu den ältesten Arbeitgebern unserer Berufsgruppe. Seit dem Altertum sind Feldherren und Eroberer auf unsere Mitarbeit angewiesen. Wahrscheinlich hat sich das Berufsdolmetschertum zuerst beim Militär entwickelt.
    Aber die Arbeit ist gefährlich und verantwortungsvoll. Allein im aktuellen Irak-Krieg sind bislang mindestens 34 Dolmetscher umgekommen. Nicht selten hängt es vom Geschick des Dolmetschers ab, ob eine Konfliktsituation eskaliert und in blanke Gewalt umschlägt oder friedlich beigelegt werden kann. Der Mangel an Dolmetschern hat im Irak mehr als einmal zu tödlichen Missverständnissen geführt. 
    Das Wirken der Sprachmittler wird aber nicht von allen geschätzt. Unsere Kolleginnen und Kollegen leben ständig in der Gefahr, von irakischer Seite als Verräter und Kollaborateure bedroht und ermordet oder von den Amerikanern als Spione und Hochverräter vor ein Militärgericht gezerrt zu werden. Für beide Fälle hat das Übersetzerportal in den letzten eineinhalb Jahren genügend Beispiele gesammelt. 
    Wer sich die (wenigen) wissenschaftlichen Untersuchungen zur Rolle der Dolmetscher in der Antike durchliest, erkennt, dass sich an diesem Spannungsfeld, in dem der Militärdolmetscher agiert, seit mehr als 2.000 Jahren nichts geändert hat.
    Anders als vor 2.000 Jahren herrscht aber heute an Bildmaterial kein Mangel. Seit es erschwingliche Digitalkameras gibt, trägt praktisch jeder Soldat eine bei sich. Täglich entstehen Tausende von Fotos, die auf den unterschiedlichsten Kanälen früher oder später an die Öffentlichkeit gelangen.
    Nachfolgend präsentieren wir Schnappschüsse, die von der Pressestelle des United States Marine Corps im Internet zur Verbreitung angeboten werden. Es handelt sich ausnahmslos um Fotos, die offiziell zur Veröffentlichung freigegeben wurden. Sie verschweigen die bestialischen Seiten des Krieges, eröffnen aber interessante Einblicke in den Berufsalltag der Sprachmittler.
    Sie zeigen, dass das Dolmetschen bei der kämpfenden Truppe keine Männerdomäne mehr ist. Und dass die Dolmetschertruppe der Amerikaner ein bunt zusammengewürfelter Haufen ist: streberisch veranlagte Sprachstudenten finden sich hier ebenso wie Auswanderer der ersten und zweiten Generation oder verbitterte Exilanten.
    Zweiundzwanzig Bilder haben wir für Sie in chronologischer Reihenfolge zusammengestellt. Fotos, die wieder einmal zeigen, dass es keinen faszinierenderen Beruf auf dieser Welt gibt.


24.03.2003 – Vier Tage nach Beginn des Einmarschs spricht ein Dolmetscher der 1st Marine Expeditionary Force mit zwei Irakern, die mit ihrem Lastwagen auf der Suche nach Benzin sind (Foto: Sgt. L.A. Salinas)


24.03.2003 – Ein Soldat sichert, während der Dolmetscher die Lastwagenfahrer ermahnt, sich künftig vom Lager der 1st Marine Expeditionary Force in der südirakischen Wüste fernzuhalten (Foto: Sgt. Joseph R. Chenelly)


24.03.2003 – Der Dolmetscher spricht mit dem irakischen Lastwagenfahrer (siehe vorangehendes Bild)


30.03.2003 – Mitten in der heißen Phase des Kriegs im Feldlazarett: Ein Dolmetscher (ganz rechts) erklärt einem irakischen Patienten, was die Ärzte der Charlie Surgical Company, 1st Force Service Support Group, mit ihm vorhaben (Foto: Master Sgt. Edward Kniery)


07.04.2003 – Zwei Tage vor dem Fall Bagdads kann Dolmetscher Khuder al-Emeri (Mitte, mit Schutzbrille auf Helm) nach zwölf Jahren im amerikanischen Exil zum ersten Mal wieder seine Familie in die Arme schließen. Mit der 24th Marine Expeditionary Unit kehrte er in seine Heimatstadt zurück. Al-Emeri, der einem einflussreichen Clan angehört, beteiligte sich 1991 im ersten Golfkrieg an einem Aufstand gegen das Regime und musste fliehen. Im Ausland engagierte er sich in den Reihen des Iraqi National Congress (Foto: Staff Sgt. Bryan P. Reed)


14.04.2003 – Bagdad ist vor fünf Tagen gefallen. Dolmetscher Khuder al-Emeri von den Free Iraqi Forces (FIF) blickt optimistisch in die Zukunft (Foto: Sgt. Mike Dougherty)


16.04.2003 – Dolmetscher Muamar Houssein von der 24th Marine Expeditionary Unit sitzt auf der linken Seite zwischen dem Polizeichef und dessen Assistent, während er für Capt. Christopher J. Bower (rechts, sitzend) dolmetscht. Die Männer besprechen, wie der Polizei von Al Rifa geholfen werden kann. Das größte Problem ist seit dem Zusammenbruch der Staatsgewalt die regelmäßige Bezahlung der Polizisten (Foto: Staff Sgt. Bryan P. Reed)

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[Text: Richard Schneider. Bild: Pressestelle US Marine Corps. www.uebersetzerportal.de]