2004-10-31
„Ich möchte keinen anderen Beruf haben.“ – Der Literaturübersetzer Dirk van Gunsteren im Porträt
„Eine Übersetzerschule hat der Sohn eines holländischen Rheinschiffahrtsgesellschafters [...] nicht besucht. Sein ausgezeichnetes Englisch hat er vielmehr auf einer generationstypischen Indien-Reise nach der Art George Harrisons gelernt.“ Die Rede ist von Dirk van Gunsteren (51), einem profilierten Belletristik-Übersetzer aus dem Englischen.
    In der Welt heißt es weiter: „Nach der Rückkehr und sieben Jahren des Taxifahrens durchs nächtliche München entschloss sich van Gunsteren zu einem Studium der amerikanischen Geschichte und beschloss dann zu übersetzen. [...] Aber wie wird man Übersetzer? Van Gunsteren deutschte einen Essay von Joan Didion ein, schickte die Talentprobe in die Verlagswelt, fuhr zur Frankfurter Buchmesse und stellte dort den jungen Rowohlt-Mitarbeiter Thomas Überhoff vor die schwierige Aufgabe, ihn wieder loszuwerden. [...] Das war 1984, und in den 20 Jahren seitdem hat van Gunsteren mehr als 60 Bücher übersetzt.“ 
    Autor des gelungenen Artikels ist Wieland Freund, der den Übersetzer über Monate hinweg immer wieder besuchte, als dieser einen Roman von T.C. Boyle ins Deutsche übertrug. Freund schildert die Schwierigkeiten und Freuden des Übersetzens, spart die profanen Dinge des Alltags aber nicht aus. So erfahren wir, dass van Gunsteren für die Sprachrichtung Englisch-Deutsch mit einem Expansionsfaktor von 12 Prozent und einem Seitenpreis (max. 1.800 Zeichen) von rund 20 Euro rechnet.
    Den Artikel mit der Überschrift „Noch 116 Seiten bis Buffalo. Mit T. C. Boyle durchs Jahr: Dirk van Gunsteren ist einer der profiliertesten Übersetzer aus dem Englischen“ können Sie in der Welt lesen.
    Dirk van Gunsteren hat den Autor Boyle von Werner Richter übernommen, der Boyle vor Jahren für den deutschen Sprachraum entdeckte und zahlreiche seiner Werke übersetzt hat. Ein Interview mit Richter finden Sie unter www.tcboyle.de
 
Dirk van Gunsteren
Geboren 1953 in Düsseldorf, diverse Auslandsaufenthalte (Indien, USA), Studium Amerikanistik. Lebt heute in München. Seit 1984 Übersetzer und freiberuflicher Redakteur. Sprachen: Englisch, Niederländisch. Genres: Belletristik.
    Übersetzer von Eric Ambler, Kevin Canty, Peter Carey, Nik Cohn, Renate Dorrestein, John Irving, Colum McCann, V.S. Naipaul, Thomas Pynchon, Philip Roth und Robert Stone für die Verlage Diogenes, Klett-Cotta, Hanser, Hoffmann & Campe, Rowohlt und Zsolnay.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Welt, 2004-10-30; www.literaturuebersetzer.de. Bild: www.photocase.de. www.uebersetzerportal.de]