|
2005-05-03
Studie:
Englische Filmtitel werden immer seltener eingedeutscht. 47 Prozent
behalten Originaltitel
Die Übersetzung
englischer Filmtitel ins Deutsche hat mit Blick auf die Werbewirkung
oft zu seltsamen Eindeutschungen geführt. Immer öfter wird
aber auch gänzlich auf die deutsche Sprache im Titel verzichtet,
wie Dr. phil. Christoph Schubert (34), wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für
englische Sprachwissenschaft der Universität Würzburg, in einer Studie empirisch nachgewiesen hat. Dies sei als
Zeichen der Globalisierung und der Vorrangstellung der Weltsprache
Englisch, auch in der Werbung, zu sehen. Wird doch übersetzt,
kommen mitunter sprachliche Mittel zum Einsatz, die völlig andere
Akzente setzen als das Original.
Immer öfter scheinen deutsche Verleiher der
Meinung zu sein, dass der englische Titel beim Publikum leicht
verständlich ist und auch gut ankommt. Dabei werden nicht nur
Eigennamen wie Titanic oder Spiderman übernommen,
sondern auch Titel wie Men in Black, Speed und Pulp
Fiction. Als markantes Beispiel für den Trend zu identischen
Titeln nennt Schubert die Verfilmungen des H.G.-Wells-Klassikers Die
Zeitmaschine. 1960 kam der Film noch übersetzt als Die
Zeitmaschine in die deutschen Kinos. 2002 hieß die
Neuverfilmung auch hier zu Lande The Time Machine.
Im Zeitraum von 1994 bis 2002 wurden bei über
47 Prozent der untersuchten Filme die englischen Originaltitel
beibehalten. In den zehn Jahren davor waren es nur knapp 37 Prozent.
1944 bis 1953 wurden über 38 Prozent der Filmtitel wörtlich
übersetzt und nur 9,2 Prozent identisch übernommen. Bei
Titeln wie Pulp Fiction oder Road to Perdition sei
jedoch die Frage zu stellen, ob nicht ein Teil des deutschsprachigen
Publikums überfordert und daher eher abgeschreckt werde, so
Schubert.
In den 1980er-Jahren wurde den Englischkenntnissen
der Deutschen offenbar noch nicht so viel zugetraut: Der Film Blind
Date wurde mit dem deutschen Untertitel Verabredung mit einer
Unbekannten versehen. Solche Zusätze und Untertitel haben
sogar zugenommen, allerdings wesentlich geringer als die identische
Übernahme der Titel. Heute würde der Titel Blind Date
auch ohne deutschen Untertitel auskommen.
Wörtliche Übersetzungen wie Geboren am
4. Juli waren in der
Vergangenheit gängig, nehmen aber stetig ab. Auch freie
Übersetzungen oder gänzlich andere Titel werden immer
seltener. So wurde bis 1953 noch über ein Drittel aller Filme mit
einem gänzlich neuen deutschen Titel versehen. Der
Bogart-Klassiker Key Largo kam beispielsweise 1948 als Hafen
des Lasters in die deutschen Kinos.
Christoph
Schubert: „Die
Appellwirkung englischer Filmtitel und ihrer deutschen Neutitel:
Techniken interkulturellen Transfers“. In: Arbeiten aus Anglistik
und Amerikanistik (AAA), Band 29, Heft 2, Seite 239-259. Tübingen: Gunter Narr 2004.
Verglichen wurden insgesamt 1.486 Titel von 1944 bis 2002.
|
[Text:
Erwin Schotzger. Quelle: pressetext europe. Bild: Uni Würzburg.]
www.uebersetzerportal.de
|

Christoph Schubert
|