2005-05-07
Stilpapst Wolf Schneider wird 80
Wolf Schneider, Journalist, Journalisten-Ausbilder, Lehrer für lesbares Deutsch in Wirtschaft, Presse und Behörden, Sachbuchautor, meistgelesener Stillehrer deutscher Sprache, feiert heute seinen 80 Geburtstag.
    „Qualität kommt von Qual“, sagte er seinen Schülern. Nur wer sich Mühe gebe, dürfe von sich brauchbare Texte erwarten. Seit Jahrzehnten kämpft er unermüdlich gegen Behördendeutsch und Bandwurmsätze. So heißen einige Kapitel in seiner Stilkunde Deutsch für Kenner: „Kampf der Blähung“, „Kampf dem Krampf“ und „Kampf den Satzpolypen“. Der Tagesspiegel schreibt:

Das Ziel seiner Arbeit hat er bündig formuliert, als er 1999 in seiner 99. Sprachglosse Abschied nahm von den Lesern der Neuen Zürcher Zeitung: „Redliches, farbiges, kraftvolles Deutsch in klar dahinströmenden Sätzen – weg von Watte, Wichtigtuerei und den giftigen Nebeln des Jargons.“
    Die Schneider-Sprache, oft karg, immer geradeaus und weitgehend frei von schmückenden Adjektiven, hat nicht nur Freunde. Das liegt vor allem daran, dass er seine Regeln nicht an den Vorlieben der Schreiber ausrichtet, sondern das Interesse des Lesers in den Mittelpunkt stellt. „Wer uns ,innovative Aktivitäten' verspricht", schrieb er in charakteristischer Drastik, „dem sollten wir sagen, dass sein Wortschleim kein Körnchen Substanz enthält, denn tätig sind wir alle und neu ist jede Tat." Wortartisten, die nicht gelesen, sondern bewundert werden wollen, sind ihm ein Gräuel.

Schneider kam 1925 in Erfurt zur Welt. Bald darauf zog die Familie nach Berlin, wo er 1942 Abitur machte und Soldat wurde. Nach Kriegsende verdingte er sich als Dolmetscher bei der US-Armee. Journalist wurde er aus Verlegenheit – zunächst bei der amerikanischen Neuen Zeitung und dann bei der Nachrichtenagentur Associated Press. „Ich war ein Arbeitsloser mit Abitur, für den an Studium nicht zu denken war.“ Die weiteren Stationen: Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in Washington, Verlagsleiter des sterns, Chefredakteur der Welt, Moderator der NDR-Talkshow, 16 Jahre Leiter der Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg.
    
1995 hatte er sich nach Mallorca verabschiedet, kehrte aber vor kurzem nach Deutschland zurück, diesmal nach Starnberg. Er sitzt wieder an einem Buch, wird bald Kolumnen für das Handelsblatt schreiben, gibt Sprachseminare für Manager und unterrichtet Journalisten. „Ich wünsche mir noch ein paar gute Jahre“, sagt er. Und wenn es dann so weit ist, möchte er am liebsten „bei der Arbeit tot umfallen“.

Die beiden für Übersetzer und andere Berufsschreiber wichtigsten Wolf-Schneider-Bücher:

[Text: Richard Schneider. Bild: Schneider.] www.uebersetzerportal.de


Wolf Schneider